University of Connecticut, USA

 

Ein Erfahrungsbericht 

von 

Oliver Scheck

Wenn man im Flugzeug sitzt und Europa hinter sich lässt, hat man es endlich geschafft. Es ist ein besonderer Moment. Monate der Planung und Vorarbeit liegen hinter einem, Rat wurde eingeholt, Erfahrungsberichte wurden gelesen und trotzdem – oder gerade deswegen – ist die Spannung gross.

Auch dieser Bericht wird nur ansatzweise vermitteln können, welche unvergleichbare Erfahrung dieses Jahr an der Ostküste der Vereinigten Staaten für mich war. Man muss es selbst erleben.

Um einen besseren Eindruck zu vermitteln, habe ich einige Bilder im Bericht untergebracht. Falls Du jedoch noch mehr davon sehen willst, lohnt ein Vorbeischauen unter http://www.oliverscheck.de/USyear/uconn_de.html. Und da wir schon beim Thema Internet sind: Unter oliverscheck@email.com stehe ich gerne für Fragen zu Verfügung.
 
 

Allgemeines zur University of Connecticut

Die University of Connecticut (UCONN) liegt ‘auf dem Land’. So und nicht anders muss man einfach die Lage dieser Uni beschreiben. Grund hierfür ist, dass die Uni auf einem Stück Land steht, das von einer Familie names Storrs für den Bau einer Landwirtschaftsschule gestiftet wurde. Mittlerweile ist UCONN eine voll ausgewachsene 22.000 Studenten Universität mit allen nur erdenklichen Studiengängen. Von den Storrs blieb noch der Name für die umliegende Gemeinde — und Gräber auf dem universitätseigenen Friedhof.

Der Ruf der Universität ist in Neuengland sehr gut. Dies gilt übrigens bezüglich des Status einer öffentlichen Uni (‘public school’). ‘Private schools’ wie Yale oder Harvard sind eine völlig andere Kategorie in den USA!

Der Campus ist typisch amerikanisch: Grünflächen, schöne Plätze und rote Backsteingebäude. Er hat sein eigenes Leben und ist praktisch eine kleine Stadt für sich selbst.

Weiterhin ist UCONN auch als Party Uni bekannt (wenngleich die Amis eine andere Vorstellung von Party haben) und vor allem durch sein ‘athletics department’. Ich hatte das Privileg während meines Jahres dort Zeuge des ersten Titelgewinns in der amerikanischen College Basketball Liga (NCAA) zu sein. Das war ein unvergessliches Ereignis! Sport bedeutet an amerikanischen Unis so viel mehr als hier. Das schöne ist, dass es schnell ein Wir-Gefühl schafft, wenn man gemeinsam sein Team live oder im nationalen Fernsehen anfeuert. An deutschen Unis gibt es sowas einfach nicht.
 

Die Einrichtungen der UCONN

In zentraler Lage befindet sich die grosse, moderne und kürzlich renovierte Bibliothek, die auf deutsche Studenten fast schon wie der Himmel auf Erden wirkt. Öffnungszeiten von 8 bis 24 Uhr, sehr hilfsbereites Personal und viele kostenlose Serviceleistungen. So habe ich beispielsweise für einen Kurs ca. 25 papers zu einem recht speziellen Forschungsbereich benötigt. Nachdem ich denen die Liste gegeben habe, kam wenige Tage später der Anruf, dass die Fotokopien der papers, die teilweise von Zweigstellen beschafft wurden, vollständig seien. Erwähnen möchte ich weiterhin die Cafeteria, die beliebter Treffpunkt ist und von vielen zum Lernen aufgesucht wird. Interessant für deutsche Studenten: es gibt deutsche Zeitungen und Magazine in der Bibliothek. Trotz des Internets, es geht doch nichts über ein ausgedehntes, sonntägliches Zeitungslesen.

Gleich neben der Bibliothek befindet sich der UCONN-Coop. Das ist ein Geschäft, das alles bietet, was das Studentenherz begehrt. Von Schreibwaren, Kursbüchern, Lebensmitteln, Arzneimitteln, bis hin zu Teppichen zu Semesterbeginn und schwarzen Roben für die ‘graduation’ im Frühling. Ausserdem ist hier das grosse Merchandise Paradies: Es gibt alles, und ich meine wirklich ALLES mit dem UCONN Logo. Die Preise hier sind ein kleines bisschen über den Durchschnitt, aber aus Bequemlichkeit und der zentralen Lage wegen geht man häufig dort hin.

UCONN bietet Sportanlagen, die alles übertreffen, was man von deutschen Unis kennt. Das Zentrum der Anlagen bildet das sogenannte ‘fieldhouse’, das den fitnessfanatischen Amis alles bietet um sich in Form zu halten. Weiterhin erwähnen muss man den ‘Gampel Pavilion’, der ca. 10.000 Menschen fasst und für Spiele und andere Grossereignisse verwendet wird.
Darüber hinaus kann man hier unzählige Sportarten in Kursen lernen (es gibt sogar ‘credits’ dafür). Das ist nebenbei gesagt die Chance uramerikanische Sportarten wie baseball, basketball, oder football von Profis zu lernen. Und wer's nicht lassen kann: Soccer gibts auch. Natürlich existiert eine Vielzahl von Freizeitgruppen für alle Sportarten, dennoch geht es auch bei solchen Spielen zur Sache; Amerikaner lieben Wettstreit und Herausforderung.

Natürlich darf auf einem amerikanischen Campus der obligate Radiosender nicht fehlen. WHUS ist Name des Senders, der in Storrs ausgestrahlt wird und von Studenten gemacht wird. Wer will, kann im Internet schon mal reinhören (whusfm.saup.uconn.edu, RealPlayer notwendig). Ein weiteres Informationsmedium ist die kostenlose Campus Tageseitung, der ‘Daily Campus’, dessen Online Version (www.dailycampus.com) auch einen kleinen Vorgeschmack auf UCONN bietet. Daneben gibt es noch einen Campus Kanal im Kabel TV, der täglich Kinofilme (ohne Werbeunterbrechungen) ausstrahlt.

Für die Personenbeförderung auf dem Campus existiert ein gutes Busliniennetz, dass von 7-24 Uhr unterwegs ist, zu Stosszeiten im 10-Minuten-Takt. In der näheren Umgebung der Uni kommt man mit einem (für Studenten ebenfalls kostenlosen) Bus herum. Damit kann man z.B. zur nächstgelegenen Stadt namens Willimantic fahren und Lebensmittel kaufen, wenn man kein Auto zur Verfügung hat.

In der Umgebung von UCONN schaut es mit öffentlichem Personennahverkehr recht duster aus. Es ist nicht so, dass es nichts gibt, aber der spärlichen Verbindungen wegen, muss man seinen Tag ziemlich gut planen, sonst sitzt man fest. Ich würde daher dazu raten, ein Auto zu kaufen, zumal man die Neuenglandstaaten in Trips bereisen will und New York verlockend nahe ist. Um die Kosten zu senken habe ich mir zusammen mit einer anderen Studentin ein Auto gekauft. Der Anschaffungspreis halbiert sich, ebenso die laufenden Kosten, die nicht ohne sind. Es folgt eine Auflistung unserer Ausgaben als Anhaltswerte:

 $1.700 für einen 9 Jahre alten Mazda 323
 $100  für Ummeldung, license plate, administrative Kosten
 $50 pro Monat für Versicherung
 $60 Steuer (für gesamtes Jahr)
 $80 Parkgebühr auf dem Campus!
 $1,20 pro Gallone, d.h. schlappe 60 Pfennige pro Liter (heute)
 $1.400 Reparaturen. (Hier hat es uns ziemlich erwischt, also Aufpassen beim Autokauf. Mein Rat daher: für $50 kann man einen Rundum Check in Werkstätten machen lassen.)

Es wäre wohl auch ratsam mindestens $2.000 für ein Auto auszugeben um teuren Reparaturen aus dem Weg zu gehen und dadurch besser kalkulieren zu können. Aber selbst dann kann man noch Pech haben. Bei unserer Gruppe gab es natürlich auch Leute, die ohne Auto auskamen. Man muss dann gute Verbindungen zu Autobesitzern haben und pflegen.

Und wo wir schon beim Thema Geld sind, reden wir übers Jobben. Mit dem Visum hat man die Möglichkeit einen Job auf dem Campus zu machen. Die sind den Hiwi Jobs in Deutschland ähnlich und mit ca. 6-8$/h eher mässig bezahlt, aber ne gute Möglichkeit mit Amis zusammenzuarbeiten. Wer sich den Stress antun möchte, kann ein TA (teaching assistantship) oder RA (research assistantship) machen. Diese werden sehr gut bezahlt und beinhalten ein ‘tuition waiver’, d.h. die Studiengebühren werden erlassen, was für (studiengebührenbefreite) Austauschstudenten uninteressant ist.

Ein grosser Teil der Ausgaben geht fürs Wohnen drauf. Hier sind die Alternativen:

grad dorms
Ein Wohnheim für grad students mit zentraler Lage und bunter, kultureller Mischung. Die recht kleinen Zimmer haben Telefon, TV und Internetanschluss (RJ45 Buchsen) und kosten ca $1,300 pro Semester. Küchen sind im Keller ebenso Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner. In einigen, nicht weit entfernten undergrad dorms gibt es übrigens Billard und Tischtennis. Der Vorteil der grad dorms ist die Gemeinschaft und Nähe zu anderen Studenten.
Wohngemeinschaft (off-campus), apartments
Für etwas weniger Geld (aber auch mehr) kann man off-campus leben. Hier ist man allerdings etwas ab vom Schuss. Ich empfehle die dorms.
Die Kurse sind im Schnitt einfacher als in Deutschland, was an der schlechteren Grundausbildung der Amerikaner liegt. Natürlich kommt das uns Austauschstudenten entgegen, denn es gleicht das Sprachdefizit aus.
Dadurch, dass jedoch sehr viele ‘assignments’ (Übungen) gegeben werden, ist man mit einer Arbeitsmenge konfrontiert, die an das deutsche Grundstudium erinnert. Ich hatte im ersten Semester vier grad-level Kurse (3+3+3+1 = 10 credits) und war streckenweise bis an die Schmerzgrenze ausgelastet. Das Niveau ist aber kaum höher als in Deutschland, es ist die Menge der Arbeit, die manchmal überwältigend ist.

Natürlich geht man nicht nur ins Ausland um zu studieren. Wenn man schon mal in einem anderen Winkel der Welt ist, will man ihn auch richtig gesehen haben. Und was das betrifft, muss ich sagen, ist Storrs wunderbarer Ausgangspunkt für Wochenendtrips. Erwähnen möchte ich hier Boston (2h), Cape Cod (3h), den Long Island Sound mit Block Island, Martha's Vineyard und Nantucket Island, sowie natürlich New York City (2,5h) und Washington D.C. (6,5h). Und wer gerne mal wandert, dem kann ich die White Mountains (5h) mit Mt. Washington empfehlen; das höchste übrigens, was Neuengland zu bieten hat. Ich könnte lange von den Sachen schreiben, die ich gesehen und gemacht habe, es würde ein Buch füllen.

Und wenn wir schon bei den angenehmen Dingen des Lebens sind, es gibt eine Reihe netter Pubs und Restaurants um UCONN. Die Campus Kneipen sind ‘Ted's’ (jedes Alter, laut), ‘Civic Pub’ (jung und laut, selten Live Musik, Billard) und ‘Husky Blues’ (oft Live Gigs, älteres Publikum, Billard, Tischfußball). Die Restaurants die man gesehen haben muss sind ‘Chuck's & Margaritas’ und die ‘Bidwell Tavern’. Das ‘legal drinking age’ liegt wie fast überall in den USA bei 21 Jahren. Es wird auch recht streng überwacht und man wird nicht selten abgewiesen - vom sogenannten ‘bouncer’ -, wenn die ID (d.h. Führerschein) vergessen wurde. Dass dennoch recht viele undergrads in den Kneipen sind, ist dadurch zu erklären, dass sogenannte ‘fake IDs’, also gefälschte Führerscheine Gang und Gäbe sind. — Und allen Unkenrufen zum Trotz, es gibt doch gutes amerikanisches Bier!

Ich hoffe dieser Bericht hat Hunger auf ein Jahr an der UCONN gemacht. Es würde mir Freude bereiten Dir mehr zu erzählen, darum einfach mal bei mir melden.

Viel Glück und alles Gute bei Deinen Zukunftsplänen.

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Oliver Scheck, July 2nd, 2002